Sie hatte es geahnt, tief im inneren hatte sie es geahnt. Da stand er, cool und lässig mit einer Körperhaltung, die jedem Mantafahrer zur Ehre gereicht hätte. Die lässig im Mundwinkel
getragene Fluppe bewegte sich im Rhythmus des dahinter gekauten Kaugummis. Die Kamera für das Hochzeitsvideo wie John Wayne´s Winchester auf dem angewinkelten Oberschenkel….
„Tach, ich bin ihr Filmer, haben Sie das Geld?“… Sie hatten Vorkasse vereinbart, schließlich war Sie auf seiner Web-Site und die sah absolut seriös aus. Das seine Gage für ein Hochzeitsvideo sehr günstig waren, wusste Sie, war aber fest der Meinung, das das schließlich reicht. Immerhin war er ja nur 10 Stunden dabei und das bisschen Schneiden?
Immerhin ein Stundenlohn von über 10,– €.
Sie überreichte ihm den Umschlag. „Alles klar“ murmelte er und fing an seine Kamera bereit zu machen. Sie war sehr klein…. die Kamera… eigentlich sah Sie genauso aus wie die von Onkel Willi, der bei Ihrer Cousine gefilmt hatte. Leider hatten sie sich den Film nie ganz angeschaut, da Ihr Mann nach der ersten Stunde Wackelaufnahmen aus der Kirche eine Brechdurchfall vortäuschte. Das wollte Sie nicht…. dann doch einen Profi.
Es war soweit, die Glocken läuteten und der Pfarrer stand vor der Tür um Sie beide abzuholen. Wo ist der Kameramann, schoss es Ihr durch den Kopf, aber die Eindrücke des Augenblicks nahmen sie innerhalb kurzer Zeit so gefangen, das Sie nicht weiter darüber nachdachte.
Erst beim Jawort nahm sie ihn wieder wahr…. er lief lässig mit einer Hand in der Hosentasche. Von links nach rechts, immer darauf bedacht den Messdienern nicht auf die Füße zu treten. Naja, das kann man schneiden dachte Sie und schaute wieder zu dem Pfarrer, der Ihr mittlerweile recht energisch die Ringe unter die Nase hielt.
Beim Gratulieren fiel er Ihr wieder ins Auge, er wirkte leicht gestresst und fummelte an der Kamera. „Das kann doch jetzt nicht wahr sein“ dachte Sie, der wird doch wohl….. er kam auf Sie zu….. eine Ersatzkamera….. sein Blick verhieß nichts gutes…. im Auto?? Nein hat er nicht. „Kumpel, Reinigungsband und gleich wieder da“ hörte sie durch den Nebel, der sich um Ihren Kopf aufbaute…..
Gegen 18.00 kam er, kurz nach der Hochzeitstorte, strahlend…. „geht wieder“ freute er sich
und schwenkte dabei die Kamera in der erhobenen Hand. „Vorsicht, der Kellner…“ wollte Sie noch rufen…“ aber ein lautes Klirren, Sch**sse Rufe und berstendes Plastik sagten Ihr, das Sie den Traum vom professionellen Hochzeitsvideo jetzt endgültig begraben musste…
Und die Moral von der Geschicht: Schlechte Hochzeitsfilme gibt es nicht. Vertrauen Sie bei Ihrer Buchung dem persönlichen Eindruck, dem oder anderen gezeigten Referenzfilm und Sie wissen, was Sie erwartet.